Texte

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Der Frieden
( Andreas Reimann )


Vielleicht, wenn er kommt, dann erkenn ich ihn nicht.
Mag sein, dass enttäuscht er die Tür aufbricht,
falls ich aus Furcht sie verriegelt hätt.
Vielleicht dann verwechselt mein zeitweilender Geist
das Palmenzweigblatt, das im Lichte gleißt
mit einem geschliffenen Bajonett.

Viel Dunkles hat die Nacht gesät.
Dass er bloß nicht vorübergeht.
Es ist schon spät.

Ich weiß, wenn er kommt, schleppt er Mühen heran
und steckt nicht als erstes die Weinfässer an
Und liebt uns nicht mehr als wir ihn.
Er lässt dir den Vater, den Bruder, den Sohn,
das andre mach selber, er hat uns ja schon
das Menschenfremdgehn mit dem Krieg verziehn.

Vielleicht, dass er müd wird, wenn keiner ihn sucht.
Vielleicht hat er Furcht, er sei abgebucht,
denn weit muss umgehn er das flackernde Licht.
Vielleicht, dass er umgeht als Du, als ich,
dann reicht ein gewöhnlicher Messerstich,
dass er, dass er zusammenbricht.

Liebeslied
( Andreas Reimann )


Will an Deinen Leib mich fügen,
ohne Furcht vor meinem End.
Will mir einen Frieden lügen,
der nicht auch die Kriege kennt.

Will in Deinen Achselhöhlen
Dunkel tun auf mein Gesicht.
Will von mir das Wissen stehlen,
daß ein Wechsel ist im Licht.

Laß mich lange an Dir leben,
wenn Du mit mir leben willst.
Möcht' Dir wohl Erfüllung geben,
wenn Du Dich in mir erfüllst.

Will an Deinen Küsten landen,
lieber bitter sein als leer.
Lieber will ich an Dir stranden,
als zu sinken auf dem Meer.

Und nach überlangen Jahren,
wenn ein Grau Dein Haar beschlägt,
wenn wir wissen, wer wir waren,
wissen wir, was uns erträgt.

Wenn wir wissen, wer wir waren,
wissen wir, was uns erträgt.

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